Symmetrie und Reduktion in Musik und Bildender Kunst: die Ausstellung „db“ von Ryoji Ikeda im Hamburger Bahnhof
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"(...) ich bin ein Komponist, der alles komponiert. Texte, Zahlen, Farben, Pixel, Verhältnisse, Materialien zuweilen, Raum und Licht: Es geht immer um Komposition.“(*) Der gebürtige Japaner hat nun für den Hamburger Bahnhof eine Ausstellung konzipiert, die erstmals die beiden symmetrischen Räume im Obergeschoss des Ost- und Westflügels des Museums kompositorisch miteinander verbindet. Der Ausstellungstitel »db« (Abk. für Dezibel) greift diese Symmetrie auf und verweist gleichzeitig auf die komplementäre Beziehung der beiden Ausstellungsräume zueinander. Der von Ikeda entworfene weiße Raum bildet das Pendant zum schwarzen Raum und umgekehrt, nicht nur in physikalischer Hinsicht (Helligkeit, Farbe), sondern auch in der konzeptionellen Anlage und im Modus der Wahrnehmung. Die titelgebende Arbeit »db« (2012) wird jeweils zentral in den beiden Räumen gezeigt. Sie besteht zum einen aus einem schwarzen Parabol-Lautsprecher mit besonders dichter Strahlweite, der eine reine Schallwelle in den weißen Raum abgibt, und zum anderen aus einem lichtstarken Scheinwerfer, der einen weißen Lichtstrahl in den schwarzen Raum projiziert. Der Sound ist auf eine stehende Sinuswelle reduziert, dem einfachsten musikalischen Baustein. Jede Bewegung des Besuchers verändert das Klangfeld im weißen Raum und macht es individuell erfahrbar. Der Lichtkegel im schwarzen Raum besteht aus reinem weißen Licht, das, vergleichbar mit dem weißen Rauschen, alle Farben des Spektrums vereint. Er wird durch ein Loch in der Wand am Ende des Raums geführt und ist somit als weißer Kreis wahrnehmbar. Auch hier beeinflusst die Bewegung des Besuchers den Raum; sobald man den Lichtkegel durchquert, erhellt die Reflexion den dunklen Raum. Ryoji Ikeda gilt aktuell als einer der einflussreichsten Komponisten elektronischer Musik. In seinen minimalistischen Klanginstallationen, die er an renommierten internationalen Kunstinstitutionen ausstellt, erforscht und präsentiert er Aspekte der physischen Qualitäten von Klang und Frequenzen. Sein Werk steht damit paradigmatisch für artistic research, die bei den Förderschwerpunkten der Schering Stiftung ganz besonders im Fokus steht. Seine Ausstellung im Hamburger Bahnhof wird zudem im Hinblick auf den interdisziplinären Aspekt von Musik und Bildender Kunst unterstützt. Er versteht es, Kompositionen zu schaffen, in denen Zeit und Raum durch minimalen Einsatz von Sound, Licht und visuellen Elementen geformt werden. (*) Ryoji Ikeda, Interview in DE:BUG 05.2011
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