Photograph 51 - Über Entdeckung und Erfolg
|
19.01.2012, Berlin | Am 24.02.2012 führt das English Theatre Berlin mit Unterstützung der Schering Stiftung erstmals das Wissenschaftsstück „Photograph 51“ von Anna Ziegler auf. Es geht um Rosalind Franklin – Jüdin, Frau, Wissenschaftlerin –, die in den frühen 50er Jahren am King´s College in London die ernüchternde Erfahrung eines männerdominierten Wissenschaftsbetriebs macht. Man weigert sich z.B., sie mit Dr. Franklin anzureden und sie darf den Männern vorbehaltenen Faculty Club nicht betreten. 1952 gelingt ihr mit Hilfe von Röntgenstreuung das Röntgenbild – eine Fotografie mit der Labornummer 51 –, das in der Wissenschaftsgeschichte als der erste Beweis für die Doppelhelix-Struktur der DNA gilt. Den Erfolg dafür ernten allerdings drei Männer, die ihr Foto Nr. 51 ohne ihr Wissen verwenden. |
|
|
Franklins Bahn brechender Beitrag wird jahrzehntelang verschwiegen. Denn als James Watson, Francis Crick und Franklins Kollege Maurice Wilkins 1962 den Nobelpreis erhalten, ist sie bereits seit vier Jahren tot. Hinter dieser scheinbar simplen Fotografie verbergen sich eine ganze Reihe von wissenschaftssoziologischen Entwicklungen, biopolitischen Szenarien und futuristischen Entwürfen: Da ist die tragische Geschichte von Rosalind Franklin, die zwar das Foto schoss, die Früchte ihrer Arbeit allerdings nie ernten konnte. Da ist der Wettlauf um die Aufklärung der DNA-Struktur, in dem Anfang der 50er Jahre weltweit mehrere Forschergruppen mit harten Bandagen um Ruhm und Ehre kämpften. Und da ist nicht zuletzt der Startschuss, den das Foto 51 und die DNA-Doppelhelix für die weitere Entwicklung der Genetik darstellten und der für unsere Zeit und unsere nahe Zukunft gleichzeitig Schreckensvisionen und paradiesische Entwürfe bereithält: Eine auf Gentests und Humangenomsequenz basierte „personalisierte“ Medizin, Genetic Body Enhancement, gentechnisch veränderte Nahrung, Synthetische Biologie, Gentherapie. Die Schering Stiftung fördert das Theaterstück aufgrund seiner vielschichtigen Herangehensweise an dieses bedeutende Ereignis der Wissenschaftsgeschichte. Mit künstlerischem Auge, aber nicht ohne wissenschaftliche Auseinandersetzung, verarbeitet es das beschriebene Geschehen. Es thematisiert nicht nur die Emanzipation der Frau in der damals noch männerdominierten Wissenschaftswelt, sondern deutet auch auf die Folgen einer alles verändernden Entdeckung hin. Regie: Günther Grosser Mit „Photograph 51“ gewann Anna Ziegler 2008 den Preis der Sloan-Foundation für das beste Wissenschaftsstück.
|
|

