Daria Martin, Schering Stiftung Projektraum

 

Berliner Klassik aus dem Archiv der Sing-Akademie zu Berlin

24.09.2003, Philharmonie, Berlin | Carl Philipp Emanuel Bach: Johannes-Passion von 1772

Seit dem 17. Jahrhundert wurde in Hamburg alljährlich eine Passionsmusik nach einem der Evangelisten aufgeführt. Auch Carl Philipp Emanuel Bach, seit 1768 Nachfolger des städtischen Musikdirektors Georg Philipp Telemann, fügte sich in diese Tradition. 1772 vertonte er den Bericht des vierten Evangelisten.

Carl Philipp Emanuel Bach wurde 1714 in Weimar geboren. Als Schüler seines Vaters Johann Sebastian berief man ihn 1738 zum Kammercembalisten an den Hof des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Ruppin. 1740 folgte er dem König nach dessen Thronbesteigung nach Berlin und Potsdam. Seit 1768 städtischer Musikdirektor in Hamburg, starb Carl Philipp Emanuel Bach dort im Jahr 1788. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der sogenannten "Preußischen Klassik".

Die Partitur seiner Johannes-Passion von 1772 galt lange Zeit als verschollen. 1999 wurde sie unter 5000 anderen Autographen in einer Bibliothek in Kiew wiederentdeckt. Es handelte sich bei der Sammlung um das Archiv der Sing-Akademie zu Berlin, das 1945 als Kriegsbeute in die Sowjetunion geriet. Darunter finden sich unersetzliche Handschriften der beiden ältesten Söhne Johann Sebastian Bachs, Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel.

Zugleich umfasst das Archiv wesentliche Bestände der Musik der Preußischen Hofkapelle und der Hofoper aus der Zeit Friedrichs des Großen, mit Kompositionen von Graun, Quantz, Schaffrath oder Agricola, sowie eine Vielzahl geistlicher Werke von Georg Philipp Telemann. Unterdessen wurden die Schriften an die Sing-Akademie zurückgegeben. Die Sing-Akademie zu Berlin wurde 1791 von Carl Friedrich Christian Fasch (1736-1800) gegründet. Sie ist die älteste chor- und konzertausübende Gesellschaft bürgerlicher Musikpflege in Deutschland. Zu den Mitgliedern und Freunden der Akademie zählten so bedeutende Persönlichkeiten wie Bettina von Arnim, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Otto von Bismarck. Unterstützt durch die Schering Stiftung konnte die Johannes-Passion Carl Philipp Emanuel Bachs von 1772 nun erstmals seit ihrer Uraufführung wieder zum Bestandteil des Konzertlebens werden. Das Zelter-Ensemble der Sing-Akademie zu Berlin, begleitet vom Barockorchester Capriccio Basel, erweckte am 24. September 2003 in der Berliner Philharmonie das Werk unter Leitung von Prof. Joshard Daus in einer begeistert aufgenommenen Aufführung zu neuem Leben.

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