Daria Martin, Schering Stiftung Projektraum

 

Lenin übermalt - Moskauer Konzeptualisten im Berliner Kupferstichkabinett

28.11.2003, Kupferstichkabinett, Berlin | In zeitlicher und thematischer Parallele zur Ausstellung "Berlin–Moskau/Moskau–Berlin 1950–2000", die im September 2003 im Martin-Gropius-Bau zu sehen ist, stellt das Kupferstichkabinett – gefördert durch die Schering Stiftung – graphische Arbeiten des Moskauer Konzeptualismus hierzulande erstmals der breiten Öffentlichkeit vor.

Maria Tschuikowa: Fractals, 1993, Kupferstichkabinett – Staatliche Museen zu Berlin,
Sammlung Haralampi G. Oroschakoff (Foto: Matthias Kolb, Berlin)

28. November 2003 bis 18. April 2004

Anlass der Ausstellung ist die großzügige Schenkung von über 50 Werken dieser Strömung aus der Sammlung des Künstlers Haralampi G. Oroschakoff an das Kupferstichkabinett. Ergänzt wird die Präsentation durch Geschenke und Leihgaben von Vadim Zakharov, Künstler, Verleger und Archivar jener künstlerischen Bewegung der 1980er und 1990er Jahre.

Aus historischer Distanz setzen sich die Künstler des Moskauer Konzeptualismus unter radikal veränderten sozialen und politischen Bedingungen mit den überlieferten Konzepten bildnerischer und textlicher Darstellung auseinander. Zum Teil in den großen ikonischen Traditionen der russischen Kunst wurzelnd, wird die Überlieferung in ironischer Brechung neu hinterfragt.

Das Underground-Phänomen des Moskauer Konzeptualismus ist ein wichtiger Bestandteil der sowjetischen und postsowjetischen Kunst. Ihr Potential ziehen diese Arbeiten aus der Spannung zwischen Konzeptkunst und deren spontaner und spielerischer Aufweichung. Bis in die totalitären Verhältnisse der 70er Jahre reichen die Anfänge des Konzeptualismus zurück. Ironisiert werden dabei auch die utopischen Ansprüche der russischen Avantgarde. Von traditionellen Techniken der Buchillustration und Collage bis zum Einsatz neuer Medien reicht das Spektrum der Mittel. Erzählerische Elemente und Textmontagen gehören ebenso dazu. Hinterfragt wird damit nicht zuletzt die Rolle des Künstlers selbst, die Wirkmacht bildlicher Darstellung in der Gesellschaft.

Zu sehen sind Werke von Jurij Albert, Nikita Alexejew, Sergeij Anufriew, Iwan Tschuikow, Maria Tschuikowa, Jurij Leiderman, Igor Makarewitsch & Elena Elagina, Andreij Monastyrskij, Haralampi G. Oroschakoff, Pawel Pepperstein, Viktor Piwowarow, Dmitrij Prigow, Nadjeschda Stolpowskaja, Vadim Zakharow und Konstantin Zwesdochtow.

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