Daria Martin, Schering Stiftung Projektraum

 

Avrion Mitchison Preis 2008

Dr. Kirsten Neubert

Dermatologische Klinik der Universität Erlangen, Abteilung Biologie Dendritischer Zellen

"Bortezomib gegen Plasmazellen zur Behandlung von Autoimmunkrankheiten"

Die Behandlung Antikörper-vermittelter Autoimmunerkrankungen stellt trotz intensiver Bemühungen immer noch eine große Herausforderung dar. Die derzeit zur Verfügung stehenden und teils recht aggressiven Therapiemöglichkeiten bewirken zwar eine Verbesserung der Symptome, jedoch wird eine dauerhafte Heilung häufig nicht erreicht. Der Grund hierfür scheinen langlebige Plasmazellen zu sein, die durch ihre permanente Antikörpersekretion an der Aufrechterhaltung der humoralen Immunität beteiligt sind. Im Fall von Autoimmunerkrankungen sondern diese Zellen jedoch große Mengen pathogener Antikörper ab, so genannte Autoantikörper, die zu Gewebs- und Organschäden führen. Bisher waren langlebige Plasmazellen gegenüber konventionellen Therapeutika und Bestrahlung resistent. Aus diesem Grund ist die Entwicklung neuer selektiverer und verträglicherer Therapiekonzepte dringend erforderlich.

Der systemische Lupus erythematodes stellt den Prototyp einer Antikörper-vermittelten Autoimmunerkrankung dar. Diese chronisch-entzündliche Erkrankung ist durch die Bildung von Autoantikörpern charakterisiert, die vielfältige Organschäden hervorrufen.

In zwei Mausmodellen untersuchte Dr. Kirsten Neubert den Einfluss von Bortezomib auf die Autoantikörpertiter und den Krankheitsverlauf. Durch die präventive und therapeutische Anwendung von Bortezomib wurde die Lupuserkrankung von NZB/W F1- und MRL/lpr-Mäusen verhindert bzw. wesentlich verbessert. Die Behandlung führte zu einer deutlichen Reduktion der Autoantikörper, zu einer starken Abnahme der Proteinurie sowie zu einer drastischen Verlängerung der Lebenserwartung ohne offensichtliche Nebenwirkungen.

Darüber hinaus stellte Neubert fest, dass Bortezomib die weitestgehend therapieresistenten langlebigen Plasmazellen effektiver eliminieren kann als die konventionellen Therapeutika. Die Biologin konnte ebenfalls zeigen, dass Plasmazellen aufgrund ihrer stark erhöhten Antikörperproduktion sensitiver auf Bortezomib reagieren als andere Zellen des Immunsystems. Dieses Ergebnis liefert ein weiteres wichtiges Argument für die klinische Anwendung von Bortezomib. Da die etablierten Behandlungsformen relativ unspezifisch und mit starken Nebenwirkungen verbunden sind, könnte durch die präferenzielle Eliminierung der Plasmazellpopulation das Nebenwirkungsspektrum eingeschränkt werden.

Diese Ergebnisse zeigen, dass Bortezomib eine vielversprechende neue Option für die Behandlung von Antikörper-vermittelten Autoimmunerkrankungen darstellt. Da Bortezomib bereits erfolgreich für die Behandlung des Multiplen Myeloms eingesetzt wird, können deshalb entsprechende Studien zur Behandlung anderer Antikörper-vermittelter Erkrankungen leichter initiiert und durchgeführt werden.

2008_Neubert

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