On the Far Side of the Marchlands - Ausstellung in der Schering Stiftung

 

Avrion Mitchison Preis 2009

Dipl. biol. Inka Albrecht

Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, Berlin

"The pro-inflammatory immunological memory: twist1 autoregulates / Th1 mediated inflammation"

Inka Albrecht studierte Biologie an der Philipps-Universität Marburg. Seit Juni 2004 promoviert sie in der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Radbruch, Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, Berlin zum Thema “Identification and characterization of novel transcription factors in chronically activated T helper cells “.

Inka Albrecht erhält neben Kai Kessenbrock den Avrion-Mitchison-Preis 2009 des Deutschen Rheumaforschungszentrums in Berlin. Anlässlich der Preisverleihung am 1. Dezember in Berlin spricht sie zum Thema „The pro-inflammatory immunological memory: twist1 autoregulates / Th1 mediated inflammation“.

Albrecht über die Forschungsarbeit:
„Bei rheumatischen Erkrankungen ist das Abwehrsystem überaktiv. Abwehrzellen erkennen Strukturen im betroffenen Gewebe als „fremd“ und lösen eine fortdauernde Entzündung aus, die zunehmend das Gewebe schädigt. Es ist jedoch nur ein Teil der Abwehrzellen fehlgeleitet und an der entzündlichen Reaktion beteiligt. Der überwiegende Teil der Abwehrzellen übt weiterhin seine Schutzfunktion vor Infektionen und anderen schädlichen Einflüssen aus. Gängige Therapien für chronisch-entzündliche Erkrankungen dämpfen die Abwehrreaktionen und unterdrücken wirksam die Entzündung. Sie unterscheiden dabei jedoch kaum zwischen schützenden und schädigenden Abwehrzellen und schwächen so die gesamte körpereigene Abwehr. Sinnvoll wären deshalb Therapien, die gezielt die krankmachenden Zellen bekämpfen.

Doch es fehlen geeignete Angriffspunkte; Merkmale, die schädigende von gesunden Abwehrzellen unterscheiden. Ziel dieser Arbeit war es, Kennzeichen von schädigenden T Helfer (Th) Zellen zu finden. Im Abwehrsystem fungieren Th Zellen als eine Steuerzentrale: Erkennen sie eine fremde Struktur, zum Beispiel ein Virus, steuern sie durch Botenstoffe, sogenannte Zytokine, Art und Stärke der Immunantwort. Verschiedene Typen von Th Zellen gewährleisten hierbei eine maßgeschneiderte Antwort auf die Bedrohung. Th Typ 1 (Th1) Zellen etwa schütten die entzündungsfördernden Zytokine Interferon-gamma sowie Tumor Nekrose Faktor (TNF)-alpha aus. Sie bieten damit unerlässlichen Schutz vor Infektionen. Erkennen Th1 Zellen dagegen körpereigene Gewebe als fremd, werden sie von sich aus immer wieder aktiv. Solche autoreaktiven Th1 Zellen sind vermutlich mitverantwortlich für die chronische Entzündung bei rheumatischen Erkrankungen.

Im Vorfeld der Suche nach Kennzeichen schädigender Th1 Zellen musste eine Hürde überwunden werden. Wie sollte festgestellt werden, ob es sich bei den zu untersuchenden Zellen um schädigende oder schützende handelte? Dies wurde gelöst, indem gezielt schädigende Th1 Zellen in der Zellkulturschale erzeugt wurden. Aus der Grundüberlegung, dass schädigende Zellen immer wieder, schützende dagegen nur selten erneut aktiviert werden, bestimmten wir alle Gene in einfach und wiederholt aktivierten Th1 Zellen.

Dabei entdeckten wir mehrere neue Gene, die ausschließlich in wiederholt aktivierten schädigenden Th1 Zellen aktiv sind. Eines dieser Gene trägt den Namen „Twist1“. Die Aktivität von Twist1 steigt mit zunehmender Anzahl der Zellaktivierungen an und reflektiert damit das „Alter“ der Zellen und die aktive Beteiligung an einer Entzündung. Bei genauerer Untersuchung des Gens zeigte sich, dass dieser Kontrollfaktor im Zellinneren wiederum andere Gene steuert.

Twist1 kennzeichnet Th1 Zellen im entzündlichen Gewebe von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Dort überdauern diese Zellen offensichtlich alle gängigen Therapien. Dass die Zellen tatsächlich die Entzündung antreiben, macht in der Studie ein Mausmodell deutlich: Wiederholt aktivierte Th Zellen können im Tierversuch eine entzündliche Arthritis auslösen und chronisch unterhalten. Das Ausschalten von Twist1 verstärkt die Entzündung. Das Gen wirkt demzufolge regulierend auf die entzündungsfördernden Th1 Zellen.  Als spezifisches Merkmal von schädigenden Th1 Zellen, auch bezeichnet als Biomarker, bietet Twist1 eine ganz neue Grundlage für die Entwicklung von Therapien, die an der Ursache von Rheuma ansetzen. Schädigende Th1 Zellen lassen sich identifizieren und möglicherweise ausschalten – während die gesunden Th1 Zellen weiterhin den Schutz des Körpers aufrechterhalten.“

Quelle: Niesner, U, Albrecht, I, Janke, M, Doebis, C, Loddenkemper, C, Lexberg, MH, et al. Autoregulation of Th1-mediated inflammation by twist1. J Exp Med. 2008 Aug 4;205(8):1889-901

Festveranstaltung am 1. Dezember 2009, 17 Uhr
Der Avrion-Mitchison-Preis, der von der Schering Stiftung finanziert wird, findet zusammen mit der Albrecht-Hasinger-Lecture im DRFZ statt.

Foyer des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin
Campus Charité Mitte
Charitéplatz 1
10117 Berlin
www.drfz.de

Inka Albrecht

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