On the Far Side of the Marchlands - Ausstellung in der Schering Stiftung

 

Die letzten Tage der Ceausescus

30.11.2009, Berlin | Die Bilder der Verurteilung und Hinrichtung des Ehepaars Ceausescu am ersten Weihnachtstag 1989 haben sich als eines der mythischen Ereignisse der Weltgeschichte ins Gedächtnis mehrerer Generationen von Fernsehzuschauern gebrannt. 20 Jahre später bringt das International Institute of Political Murder (IIPM) dieses bedeutende Ereignis der Wende mit Unterstützung der Schering Stiftung auf die Bühne. Auf Grundlage von authentischen Videodokumenten und Zeugenberichten wird der wohl berühmteste Schauprozess der europäischen Geschichte in originalgetreu nachgebauten Kulissen und in rumänischer Sprache reinszeniert. Ceausescu

In umfangreichen Recherchen vor Ort ist es dem IIPM gelungen, den Kontakt zu Personen herzustellen, die unmittelbar an der Revolution und dem Prozess gegen die Ceausescus beteiligt waren: dem General, der sie verriet, dem Offizier, der sie gefangen nahm, dem Soldaten, der sie erschoss, aber auch zu Dissidenten, Politikern der Übergangsregierung, zu Revolutionären und Leuten von der Straße. Von innen heraus – aus der persönlichen Sicht der beteiligten Menschen – macht „Die letzten Tage der Ceausescus“ die Atmosphäre jener Tage aus Euphorie, Unsicherheit und Verrat unmittelbar spürbar. Die dramatisch verdichteten subjektiven Erinnerungsbilder gipfeln in der vollständigen Re-Inszenierung des Schauprozesses gegen das Ehepaar Ceausescu. Der Zuschauer erlebt dieses Ur-Ereignis der Wende als Augenzeuge mit. Weltgeschichte wird damit hautnah erlebbar; dokumentarisches Theater zu einer minutiös recherchierten und hochpolitischen Auferstehung der Bilder und Erinnerungen.

„Die letzten Tage der Ceausescus“ ist eine Geschichte über den Untergang des despotischsten Herrscherpaars im Nachkriegseuropa und über gewöhnliche Menschen, die im Chaos des Umsturzes zu Akteuren der Weltgeschichte wurden. Es ist aber auch die Geschichte einer Revolution, in der ein ganzes Volk sich gegen seine Unterdrücker erhob – nur um von neuen Herrschern um die eigentliche Wende betrogen zu werden.

Das IIPM mit Sitz in Berlin und Zürich wurde 2007 von Milo Rau zusammen mit Simone Eisenring, Jens Dietrich, Marcel Bächtiger, Nina Wolters und Franziska Dick gegründet, um den Austausch zwischen Theater, bildender Kunst, Film und Forschung auf dem Gebiet des Reenactments – der Re-Inszenierung geschichtlicher Ereignisse – zu intensivieren und theoretisch zu reflektieren. Die Gründungsmitglieder arbeiten schon seit vielen Jahren in wechselnden Konstellationen und Formaten zusammen. Ihre bisherigen Produktionen, die an zahlreichen Theatern Deutschlands, Englands und der Schweiz gespielt wurden, stießen auf große Resonanz und stehen für eine neue, umfassend recherchierte und ästhetisch verdichtete Form politischen Theaters.

Der 20. Jahrestag der Hinrichtung des Diktatorenpaars Elena und Nicolae Ceausescu ist nicht nur aus zeitgeschichtlicher Perspektive ein interessantes dramaturgisches Thema, sondern vorrangig aufgrund der Tatsache, dass es sich dabei um ein Medienereignis handelt, das selbst bereits wie eine künstlerische Bildserie funktioniert. Die Schering Stiftung unterstützt das Projekt aufgrund der ungewöhnlichen Inszenierung als Reenactment durch Milo Rau, Simone Eisenring und Jens Dietrich, das vor dem Hintergrund des bisher nur medial aufbereiteten Themas als konsequenteste Form der Aufarbeitung gelten kann.

Reenactment des Ceausescu-Prozesses (in rumänischer Sprache mit deutscher Übersetzung)
Uraufführung am 18. Dezember 2009 um 20 Uhr
Weitere Vorstellungen am 19., 20. und 21.12.2009 um 20 Uhr

Hebbel am Ufer 2
Hallesches Ufer 32
10963 Berlin

Zur Premiere der Inszenierung erscheint ein umfangreicher Dokumentationsband („Die letzten Tage der Ceausescus“, Verbrecher Verlag Berlin). Neben dem kommentierten Prozess-Protokoll finden sich darin historische, kunsttheoretische und gesellschaftswissenschaftliche Beiträge zum Projekt sowie ausführliches Recherchematerial zu seinem Entstehungsprozess und zur öffentlichen Resonanz.

Über die Erlebnisse ihrer dreimonatigen Tour durch Rumänien, Deutschland und die Schweiz berichtet das Produktionsteam am

Dienstag, 9. 2. 2010, 20.30 Uhr:

"Die letzten Tage der Ceausescus"
Lesung, Gespräch, Video

im Monarch Club
Skalitzerstrasse 134
10999 Berlin-Kreuzberg

Termine in der Schweiz
14. bis 16.01.2010 um 20.30Uhr am 17.01.2009 um 19 Uhr
Schlachthaus Theater Bern
Die letzten Tage der Ceausescus

12. bis 16.01.2010, täglich 16 bis 20.30 Uhr
Laden des Schlachthaus Theaters Bern
Eine performative Studie der Hochschule der Künste Bern von Eva-Maria Bertschy, Maren Rieger und Lorenz Aggermann

17.01.2010, 16 bis 18 Uhr
Laden des Schlachthaus Theaters Bern
Symposium und Diskussion mit Beiträgen von Milo Rau, Julia Wehren, Maren Rieger und Lorenz Aggermann

28. bis 30.01.2010 um 20 Uhr
Theaterhaus Gessnerallee Zürich
Die letzten Tage der Ceausescus (Aufführung im im Rahmen des Festivals „Gedankensprünge“)

30.01.2010 um 17 Uhr
Theaterhaus Gessnerallee Zürich
Podiumsgespräch des Historischen Seminars der Universität Zürich und des IIPM zum Thema “The Revolution will (not) be televised: Dokumentation, mediale Vermittlung und Inszenierung von Geschichte” mit Andrei Ujica, Daniel Ursprung, Milo Rau, Gesa Ziemer. Moderation: Valentin Groebner

03. und 04.02.2010 um 20 Uhr
Südpol Luzern
Die letzten Tage der Ceausescus

Angaben ohne Gewähr. Details auf den Websites der betreffenden Koproduzenten

 

Foto: Alexandru Patatics / IIPM

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.die-letzten-tage.com
www.international-institute.de

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