Ivana Franke

 

LÖ BAL ALMANYA – Ein musikalisches Schauspiel

23.04.2010, Berlin | Anfang der 1980er Jahre wurde vom Théatre du Campagnol das Musiktheaterstück „Le Bal“ entwickelt. „Le Bal“ ist poetisch-musikalisches Theater: In einem Pariser Ballsaal begegnen sich zu verschiedenen Zeitpunkten zwischen 1936 und 1983 zwanzig grundverschiedene Menschen, deren Geschichten mittels Musik und Tanz mitreißend erzählt werden. Der türkische Regisseur Nurkan Erpulat hat nun in Zusammenarbeit mit der Kuratorin und Produzentin Shermin Langhoff am Ballhaus Naunynstraße das bereits auch in anderen Ländern adaptierte Stück neu inszeniert. Am 11. Mai 2010 wird es als „Lö Bal Almanya“ im Ballhaus uraufgeführt.

Bal Almanya

Mit einer umfassenden, durch Gesang und ausschließlich dokumentarischen Textmaterial erweiterten Neubearbeitung entsteht eine deutsche Fassung des Stückes, die die Geschichte der Arbeitsmigration in Deutschland seit den 1960er Jahren reflektiert. Erpulat greift zwar die Grundidee des Stückes auf, wonach die Geschichten verschiedener Menschen über mehrere Jahrzehnte hinweg an einem Ort erzählt werden, jedoch ist „Lö Bal Almanya“ keine weitere Variation des ursprünglichen Stoffes als Erzählform ohne Worte.

Die Ensemblemitglieder, „leidenschaftliche Wanderer mit Migrationsvordergrund“, wie das Ballhaus Naunynstraße sie beschreibt, begeben sich in „Lö Bal Almanya“ auf eine Zeitreise durch fünf denkwürdige Dekaden. Sie singen sich die Seele aus dem Leib und reden sich in Rage, um Antworten auf Fragen zu finden wie: Warum bekam der millionste Gastarbeiter 1964 ein Moped geschenkt und keinen Feuerlöscher, wie ursprünglich geplant? Ist die Behauptung, die Berliner Mauer wäre auf die Köpfe der Türken gefallen, eine anatolische Lebenslüge? Welches Mindestalter muss ein Moslem haben, um für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen werden zu können? Rund 50 Jahre nach dem Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei zeigt das musikalische Schauspiel mit traditionellem Liedgut und dokumentarischem Material, warum die Geschichte der Arbeitsmigration in Deutschland umgeschrieben werden muss.

Die Inszenierung „Lö Bal Almanya“ wird von der Schering Stiftung gefördert, da sie durch die Idee besticht, deutsche Gesellschaftsgeschichte aus migrantischer Sicht zu erzählen und zudem in Bezug auf die eigene deutsche Identität zu reflektieren. Darüber hinaus stehen der interdisziplinäre Ansatz der Neubearbeitung sowie das Ziel der Völkerverständigung im Einklang mit den Förderzielen der Stiftung.

Lö Bal Almanya

Eine Produktion von Kultursprünge e.V. im Ballhaus Naunynstraße

Mit: Melek Erenay, Katharina Koch, Tobias Schwencke, Muri Seven, Tim Seyfi, Sesede Terziyan, Cem Sultan Ungan, Michael Wenzlaff, Mehmet Yılmaz

Regie: Nurkan Erpulat
Musikalische Leitung: Tobias Schwencke
Dramaturgie: Tunçay Kulaoglu
Ausstattung: Justus Saretz
Kostüme: Lea Walloschke

Termine & Veranstaltungsort

Premiere: 11. Mai 2010, um 20 Uhr
Weitere Vorstellungen: 12.05., 14.-16.05., 18.-22.05., 24.-25.05.2010 jeweils um 20 Uhr

Ballhaus Naunynstraße
Naunynstr. 27 | 10997 Berlin

Fotos: Ute Langkafel, MAIFOTO
Weitere Informationen und Tickets erhalten Sie unter: www.ballhausnaunynstrasse.de

 

Bal Almanya

 

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