On the Far Side of the Marchlands - Ausstellung in der Schering Stiftung

 

Kontrolle und Zufall – Iannis Xenakis: Komponist, Architekt, Visionär

10.08.2011, Berlin | „Kontrolle und Zufall“ ist der Titel einer Ausstellung zu Iannis Xenakis’ graphischen Arbeiten und Soundinstallationen, die am 6. September 2011 in der Akademie der Künste eröffnet wird. Die Ausstellung steht im Kontext eines großen interdisziplinären Schwerpunktprogramms zu John Cage und seinen künstlerischen Partnern und Zeitgenossen, wie z. B. Merce Cunningham, und untersucht die Auseinandersetzung zwischen der scheinbaren Anarchie der „Change Music“ von Cage mit den streng mathematischen Konstruktionen von Xenakis. Diskutiert wird u.a. die Frage nach dem Verhältnis von Kontrolle und Zufall und damit nach dem Zufall als Methode innerhalb des Entstehungszeitraums dieser Idee.

Iannis Xenakis

Iannis Xenakis (1922-2001) gehört zweifellos zu den bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Als Architekt ist der griechisch-französische Künstler weniger bekannt, obwohl die Arbeiten aus der jahrelangen Zusammenarbeit mit Le Corbusier und seine Polytope, spektakuläre multimediale Rauminszenierungen, visionär sind. Bindeglied seiner vielfältigen Aktivitäten war die Einbeziehung von mathematischen Verfahren ­­– und seine Arbeitsweise, alle Ideen zuerst zu Papier zu bringen: Xenakis ‚dachte’ mit der Hand.

Dieser bis dato wenig beachtete Zweig von Xenakis’ Wirken, seine Zeichnungen, stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, welche die Akademie der Künste im Rahmen eines Schwerpunktes zu John Cage ausrichtet. Die Schau zeigt Skizzen, Studien, Partituren, Entwürfe und unbekannte Filmdokumente zu bahnbrechenden musikalischen Werken wie „Metastaseis“ und „Terretektorh“, zu architektonischen Arbeiten wie dem Diatope für das Centre Pompidou 1974 bis hin zu den avantgardistischen Polytopen. In den Papierarbeiten setzte Xenakis seine komplexen Kalkulationen im Schnittfeld von Musik, Architektur und Mathematik grafisch um. Sie sind visuelle Vorstufen einer Kunst, die zumeist im Hörerlebnis ihren Ausdruck findet; in der Ausstellung erhellen sich die Zeichnungen und über Hörstationen erlebbare Musikeinspielungen wechselseitig.

Die Ausstellung, die erstmals 2010 im Drawing Center, New York, zu sehen war, ist in der Akademie um Arbeiten von Zeitgenossen und aktuelle Werke erweitert. Über die Querverbindung zu Hermann Scherchen, Richard Buckminster Fuller oder Allan Kaprow eröffnen sich unter dem Thema „Kontrolle und Zufall“ neue Bezüge zu John Cage. Die Auseinandersetzungen um Verfahren des Zufalls und der Kontrolle – exemplarisch in der Kontroverse zwischen dem Unbestimmtheitsprinzip bei Cage, der seriellen Musik und den streng mathematischen Konstruktionen von Xenakis – hatte in den sechziger Jahren nicht nur in der Musik Konjunktur. Die unterschiedlichen Positionen sind in einem Archivraum zusammengefasst, darunter Videoporträts mit Eberhard Blum, Reinhild Hofmann, Enno Poppe, Dieter Schnebel und bisher noch nie gezeigte Dokumente aus dem Archiv der Akademie wie die Zeichnungen zum geplanten Auditorium Scherchens in Gravesano, 1961.  

Der methodische Ansatz der Ausstellung „Kontrolle und Zufall“, der auf einen Briefwechsel zwischen John Cage und Pierre Boulez zurückgeht, ist zentral für die Arbeit der Schering Stiftung im Hinblick auf die Förderung des Dialoges von Kunst und Wissenschaft bzw. des interdisziplinären Dialoges zwischen bildender und darstellender Kunst sowie Musik und Architektur. Der scheinbare Gegensatz von kontrollierter Wissenschaft auf der einen Seite und zufälligen kreativen Prozessen in der Kunst andererseits wird aufgegriffen und anhand der Gegenüberstellung von John Cage und Iannis Xenakis widerlegt. Dies geschieht anhand der Untersuchung der Methode des Zufalls in der künstlerischen Produktion, die nicht nur an dokumentarischem Material aufgezeigt, sondern auch durch die Einbindung zeitgenössischer Künstler und Architekten weitergeführt wird.

Kontrolle und Zufall
Eröffnung: 6. September 2011, 19 Uhr
Eintritt frei

Ausstellungsdauer: 7. September – 27. November 2011

Begleitendes Vortrags- und Konzertprogramm am 25. und 27. November 2011:

pdf Begleitprogramm

Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin
Di-So 11–20 Uhr
Tel. (0 30) 200 57 1000

Eintritt € 6/4, bis 18 Jahre und am 1. Sonntag im Monat frei (Ticket gilt auch für die Ausstellungen „Merce Cunningham performs STILLNESS“ und „Mitglieder kommentieren Cage“)

Weitere Informationen zum Programm „A Year from Monday. 365 Tage John Cage“ unter www.adk.de/cage

Der vom Drawing Center, New York, organisierte Teil der Ausstellung wurde unter besonderer Mitwirkung der Bibliothèque Nationale de France, Paris, realisiert.

Bilder:

Iannis Xenakis
Study for Polytope de Montreal (light score), c. 1966
24,13 x 31,75 cm | Iannis Xenakis Archives, Bibliothèque nationale de France, Paris.

Iannis Xenakis
Study for Terretektorh (distribution of musicians), Dec. 20, 1965 | 22,86 x 22,86 cm | Iannis Xenakis Archives, Bibliothèque nationale de France, Paris.

James Klosty; Iannis Xenakis Archives, Bibliothèque nationale de France, Paris.

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Iannis Xenakis

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