Daria Martin, Schering Stiftung Projektraum

 

Haroon Mirza: --{}{}{} {}--{}{}{}{}--{}

Eröffnung: 24. Mai 2012, 19 Uhr
Laufzeit: 25. Mai bis 21. Juli 2012

kuratiert von Franziska Solte

Die erste Einzelausstellung des britischen Künstlers Haroon Mirza in Deutschland, die am 24. Mai in der Schering Stiftung eröffnete, trug einen auffallend kryptischen Titel: --{}{}{} {}--{}{}{}{}--{}. Als typografische Entsprechung einer Wellenform verweist er auf die Übersetzung von Klang und Licht in eine zeichenhafte Repräsentation und damit auf das von Mirza neu entwickelte Werk „Acid Reign“ für den Projektraum der Schering Stiftung, in dem er sich auf mehreren Ebenen mit dem Ort auseinandersetzt.

Haroon Mirza, Acid Reign, 2012, Foto: Uwe Walter, (c) Schering Stiftung

 

Haroon Mirza, Acid Reign, 2012

Die künstlerischen Arbeiten Haroon Mirzas kreisen stets um das komplexe Verhältnis von Visualität und Akustik und entfalten sich in einem kontinuierlichen Loop als audio-visuelle Kompositionen im Raum. In seinen akustischen Assemblagen werden vorgefundene, kulturell kodierte Gegenstände ihrer ursprünglichen Funktion enthoben und stattdessen zum Auslöser von Geräuschen, die sich zu einer präzisen, sich selbst generierenden Komposition zusammenfügen. Die Erfahrung der Klangwelt ist dabei unmittelbar mit der visuellen Wahrnehmung verknüpft. Für Mirza ist es entscheidend, „den visuellen und akustischen Raum als Einheit der Sinneswahrnehmung zu verstehen“ (Mirza, 2010).

In der von Franziska Solte kuratierten Ausstellung „--{}{}{} {}--{}{}{}{}--{}“ wird der Projektraum Unter den Linden sowohl in seiner architektonischen Verfasstheit als auch in seiner institutionellen Kontextualisierung zum vorgefundenen, okkupierten Objekt:

Zum einen bezieht sich Mirza auf die Spezifika des Projektraums selbst, der in seiner Ausstattung den Bedürfnissen zeitgenössischer Kunstausstellungen angepasst wurde. Damit entspricht er den Paradigmen eines typischen Ausstellungsraums des 20. und 21. Jahrhunderts, eines so genannten ‚White Cube’, der im Laufe der Ausstellungsgeschichte seine ganz eigenen, möglichst architektonisch unauffälligen Merkmale hervorgebracht hat. Ein Beispiel dafür sind die Schattenfugen – ein Spalt zwischen Boden und Wand, der u.a. dazu dient Verkabelungen geschickt zu verbergen. Die üblicherweise visuell zurücktretenden Schattenfugen werden von Mirza mit einem subtilen Eingriff in Beschlag genommen: LED-Bänder, die in den Fugen verlaufen, dienen auf diese Weise der Sichtbarmachung eines architektonischen Nebenschauplatzes. Gleichzeitig lösen sie akustische Signale aus, die zur Grundstruktur einer Klangkomposition werden.

Zum anderen geht eine weitere Tonspur von einem Monitor aus, auf dem in Nahaufnahme eine Frau zu sehen ist, die in rhythmischem Stroboskoplicht einen Text verliest. Dabei handelt es sich um den englischen Wikipedia-Eintrag zur Geschichte der Bayer AG vom 26. April 2012. Damit greift Mirza auf eine der meist genutzten, öffentlichen Informationsquellen zurück, die aufgrund ihrer potentiellen Bearbeitung durch die Internetnutzer immer auch ihre eigene Eindeutigkeit in Frage stellt. Mirza verwendet den Artikel als vorgefundenes Material, verschiebt dessen Kontext und lässt ihn zugleich als Soundebene zu einem Subtext der Komposition werden.

„Acid Reign“ – so der Titel der Installation – lässt in seiner Mehrdeutigkeit sowohl an Musikrichtungen im Techno und im House als auch an chemische Substanzen und Rauschzustände denken. Der Projektraum der Schering Stiftung wird durch diese Installation nicht nur in eine klangliche Komposition übersetzt, sondern gleichermaßen von dieser besetzt. So wie auch „--{}{}{} {}--{}{}{}{}--{}“ nicht nur auf Klang und Licht verweist, sondern zugleich eine typografische Transferierung von „occupied scheringstiftung“ ist (Haroon Mirza, Acid Reign, 2012, LED-Band, LED-Treiber, Lautsprecher, Aspirin, Kabel, digitales Video auf CRT Monitor, Kupferband).

Kuratiert von Franziska Solte

Haroon Mirza (* 1977) lebt und arbeitet in Sheffield und London. 2010 wurde er mit dem Northern Art Prize Award ausgezeichnet. 2011 erhielt er auf der Venedig Biennale den Silbernen Löwen als „most promising artist“.

Anlässlich der Ausstellungen \/\/\/\ /\/\ (St. Gallen), \|\|\|\| \|\|\ (Michigan) und --{}{}{} {}--{}{}{}{}--{} (Berlin) erscheint im August 2012 mit Unterstützung der Lisson Gallery in der Schriftenreihe der Schering Stiftung die Publikation „Haroon Mirza - --{}{}{}“, hg. von Heike Catherina Mertens und Franziska Solte, Verlag argobooks, mit Beiträgen von Diedrich Diederichsen, Heike Catherina Mertens und Franziska Solte.

Weitere Informationen zur Ausstellung erhalten Sie bei:

Friederike Petersen
Referentin Öffentlichkeitsarbeit
Tel. +49-30-20 62 29-67
Mob. +49-170-579 41 35
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

Abbildungen:

1 und 2: Foto: Uwe Walter © Schering Stiftung
3,4 und 5: Foto: Julia Zimmermann © Schering Stiftung

 

 

Haroon Mirza: Acid Reign. © Foto: Julia Zimmermann

 

 

 

Haroon Mirza: Acid Reign. © Foto: Julia Zimmermann

 

 

 

Haroon Mirza: Acid Reign. © Foto: Julia Zimmermann

 

 

 

 

 

 

 

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