Daria Martin, Schering Stiftung Projektraum

 

Friedmund Neumann Preis 2012

PD Dr. Sylvia Mechsner

Klinik für Gynäkologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin

für ihre herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Pathogenese der Endometriose

Friedmund Neumann Preis 2012

Sylvia Mechsner

1972 in Reinbek geboren, wuchs Sylvia Mechsner in der Nähe von Hamburg auf. Nach ihrem Abitur 1991 leistete sie in Berlin ein freies Soziales Jahr und begann 1992 ihr Studium der Humanmedizin an der Freien Universität Berlin. Nach dem Physikum verfasste sie am Institut für Biochemie der FU Berlin ihre Dissertation. 2001 schloss Mechsner ihre Facharztausbildung ab. Derzeit ist sie als Oberärztin an der Klinik für Gynäkologie mit Hochschulambulanz, Campus Benjamin Franklin beschäftigt und arbeitet dort schwerpunktmäßig im Endometriose- und Myomzentrum. Seit 2002 betreut sie Endometriosepatientinnen ambulant und stationär und leitet seit 2005 das Grundlagenforschungslabor für Endometriose. 2010 hat sie sich auf dem Gebiet der Endometriose zum Thema „Endometriose, das verkannte Frauenleiden - Untersuchungen zur Pathogenese und Schmerzentstehung“ habilitiert. Sylvia Mechsner ist verheiratet und hat drei Kinder.

Krankheitsbild Endometriose

Endometriose ist eine Erkrankung bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter, die aufgrund ihrer Symptome wie z.B. Unterbauchschmerzen, Blutungsstörungen und Fertilitätsbeeinträchtigung zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität der Betroffenen führen kann und darüber hinaus eine extreme soziale, klinische und volkswirtschaftliche Relevanz hat.

Die Häufigkeit der Endometriose wird mit 2-20 % aller Frauen im reproduktionsfähigen Alter angegeben. Schätzungen ergeben, dass in Deutschland ca. 2 Mio. Frauen betroffen sind und bis zu 40.000 Neuerkrankungen pro Jahr diagnostiziert werden. Bei ca. 50 % dieser Frauen besteht ein anhaltender Therapiebedarf. Neben der starken körperlichen Einschränkung durch Schmerzen stellen die Rückfallraten von 50-80 % auch nach operativer und endokriner Therapie ein großes Problem dar.

Äußerst problematisch ist, dass das Zeitintervall vom Auftreten der Symptome bis zur Diagnosestellung im Mittel 6-8 Jahre beträgt. Diese Problematik ist u.a. durch die Unkenntnis über die Entstehung und Entwicklung der Endometriose sowie über die Mechanismen der Schmerzentstehung, die dieser Erkrankung zugrunde liegen, bedingt. Die häufig „unauffälligen“ körperlichen Untersuchungsbefunde erschweren die Diagnose. Dennoch ist das Krankheitsbild der Endometriose-assoziierten Symptome sehr gut beschrieben, sodass durch eine ausführliche Anamnese in den meisten Fällen eine frühzeitige Diagnosestellung bzw. Einleitung weiterführender Maßnahmen möglich wäre.

Da ein Großteil der betroffenen Patientinnen über Schmerzen klagt, die die Lebensqualität signifikant einschränken, sind insbesondere Kenntnisse in diesem Bereich von essentieller Bedeutung für die Diagnostik und Therapie. Weiterhin gibt es bisher keine kausalen Therapieansätze, in Folge dessen sich Mediziner mit der Problematik der chronischen Erkrankung und einer hohen Rückfallrate konfrontiert sehen. An dem bislang etablierten Behandlungskonzept (operative und hormonelle Therapie, Schmerztherapie) hat sich in den letzten Jahren kaum etwas geändert, obwohl die Behandlung in vielen Fällen unzureichend und unbefriedigend ist oder mit starken Nebenwirkungen einhergeht. Neue, innovative Ansätze fehlen.

Forschungsarbeit von Sylvia Mechsner

Die Arbeitsgruppe um Sylvia Mechsner beschäftigt sich in ihren Untersuchungen mit Mechanismen der Entstehung und Entwicklung der Endometriose und mit möglichen Mechanismen der Schmerzentstehung durch Endometrioseläsionen. Mit dem Ziel, neue therapeutische Ansätze zu etablieren, wurde bei diesen Studien fokussiert auf die klinische Relevanz hingearbeitet.

Durch Mechsner und ihr Team konnte erstmals die lympathische Ausbreitung von Endometriosezellen belegt und hinsichtlich der klinischen Bedeutung untersucht werden. Passend zum nodalen Vorkommen von Endometriose konnten Lymphangiogenesemechanismen in Endometrioseläsionen dargestellt werden, – ein neuer Aspekt in der Entstehung und Entwicklung der Endometriose, der besondere Beachtung verdient.

Ein weiterer Fokus der Arbeiten von Mechsner betrifft den Nachweis und die Charakterisierung von Endometriose-assoziierten Muskelzellen die sowohl den Oestrogen-, den Progesteronrezeptor sowie den Oxytocin-Rezeptor exprimieren. Diese Daten, die den Tatbestand stützen, dass bei einer Endometriose neben Epithel- und Stromazellen immer auch glatte Muskelzellen vorhanden sind, sind von Bedeutung für das Verständnis der Entstehung und Entwicklung der Erkrankung und können Ansätze für neue Therapieformen liefern.

Frau Mechsner hat erfolgreich begonnen, den Zusammenhang zwischen Entzündung und Schmerz bei der Endometriose aufzuklären. Dabei geht es nicht nur darum, wie die Entzündung Schmerz auslöst, sondern wie das Nervensystem die Entzündung steuert. Mechsner und ihrem Team gelang der Nachweis von Nervenfasern, die in die peritonealen Endometrioseläsionen einsprossen und vermehrt bei Patientinnen mit starken UBS/Dysmenorrhoe auftreten. Dies ist ein erstes Indiz, dass neben der inflammatorischen Schmerzkomponente auch neuropathische Schmerzen Ursache der Schmerzentstehung sind. Von Bedeutung sind auch die neuesten Arbeiten, die sich mit den neuromodulatorischen Eigenschaften der Endometriose befassen. Dabei konnte gezeigt werden, dass die Endometriose neurotrophe Eigenschaften aufweist und die Aussprossung von sensiblen Nervenfasern induziert, auf die sympathischen Nervenfasern aber einen hemmenden Einfluss ausübt. Interessant ist, dass sehr wahrscheinlich eine Neuromodulation infolge der entzündlichen Reaktion stattfindet.

Preisverleihung

10. September 2012, 17 Uhr

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Leibnizsaal
Markgrafenstr. 38 | 10117 Berlin

Der Preis wird zusammen mit dem Ernst Schering Preis der Schering Stiftung verliehen.
Eine Anmeldung zur Teilnahme ist erforderlich: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Andrea Bölling, Projektmanagerin Wissenschaft der Schering Stiftung: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. | 030-20 62 29 60

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. A

A: Darstellung eines Endometriose-assoziierten Nervs in einer peritonealen Endometrioseläsion

 

 

Abb. B

B: Dreifachfärbung zur Darstellung von Nervenfasern (grün) in Kolokalisation zu unreifen Gefäßen (rot) (L: Lumen, E: Epithel; S: Stromazellen)

 

 

Abb. C

C: Durch Douglasflüssigkeit einer Patientin mit Endometriose induzierte Nervenfaseraussprossung aus einem sensiblen Hinterwurzelganglion eines Hühnerembryos.