Ivana Franke

 

Mit Straßenkünstlern für kreativen Freiraum in Budapest

„Für 20 Forint kannst du mich nicht beachten“ - dieser Satz auf dem Schild eines Budapester Obdachlosen bildet den Ausgangspunkt eines Projektes, das in diesem Sommer in der ungarischen Hauptstadt stattfinden wird. Inspiriert von Brechts Dreigroschenoper soll die „Zwanzig-Forint-Operette – eine Budapester Straßenfantasie“ mit unterschiedlichen Aktionen im Stadtraum zum Mitmachen einladen und eine „Stadt für alle“ ermöglichen – ein angesichts der aktuellen politischen Situation in Ungarn fast schon utopisches Vorhaben.

Die Zwanzig-Forint-Operette - eine Budapester Straßenfantasie

In Zeiten, in denen sich das Misstrauen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen gezielt verschärft und die Polemik gegenüber sozial Benachteiligten wie Roma oder Obdachlosen zunimmt, wollen die Initiatorinnen Sarah Günther und Berecz Zsuzsa eine unabhängige Kulturbewegung jenseits des Mainstream anregen. Kulturschaffende Institutionen in Ungarn geraten unter der aktuellen Regierung immer mehr in die Abhängigkeit von Politik, werden mit parteitreuen Personen durchsetzt, provinzialisiert oder verlieren ihre Förderung ganz. Die „Zwanzig-Forint-Operette“ möchte dieser Entwicklung entgegen wirken und richtet sich sowohl an Straßenkünstler und Randgruppen, aber auch an Passanten und Anwohner um Grenzen aufzuweichen und kreative Freiräume unabhängig von Vorurteilen, Schubladen und Kategorien zu schaffen. In Zusammenarbeit mit dem Budapester kreativen Netzwerk „Pneuma Szöv.“ und dem deutschen Künstlerkollektiv „Mobile Albania“, sowie mit ungarischen und internationalen Künstlern, Urbanisten und Straßenexperten wird im Sommer 2012 das erste Bild einer Budapester Straßenfantasie entwickelt, in Anlehnung an Brechts/Weills Dreigroschenoper.

Der zweimonatige Prozess wird in Zusammenarbeit mit der Budapester Bezirksverwaltung der Josephstadt (Józsefváros) verwirklicht. In diesem ethnisch und gesellschaftlich sehr gemischtem Bezirk wird in spielerischen und ethisch-ästhetischen Aktionen mit Themen der Straße umgegangen und nach Möglichkeiten gesucht, gemeinsame Zwischenräume zu eröffnen und soziale-künstlerische Netzwerke zu schaffen. Dieser Prozess soll in den nächsten Jahren in weiteren Bildern der Straßenoperette fortgesetzt werden

Begleitet wird die Operette von einem Filmteam, das nach Abschluss des Projektes einen fiktiv-dokumentarischen Film erstellt und den Arbeitsprozess sowie die entstandenen Kunstwerke nach Außen trägt.

Die „Zwanzig-Forint-Operette – Eine Budapester Straßenfantasie“ ist eines der drei Gewinnerprojekte des Wettbewerbs „Kultur im Dialog“, der im Jahr 2012 zum 5. Mal gemeinsam von der Schering Stiftung und MitOst e.V. ausgelobt wurde. Mit dem Wettbewerb werden Kulturprojekte unterstützt, die die nachhaltigen Beziehungen zwischen Nachbarländern oder in Grenzregionen Ost-, Mittel- und Südosteuropas fördern. Das Projekt von Sarah Günther überzeugte die Jury durch seine inhaltliche Konzeption und aufgrund der politischen Aktualität.

 

Die Zwanzig-Forint-Operette – Eine Budapester Straßenfantasie

 

01. Juli bis 22. September 2012 in Budapest, Josephstadt (Józsefváros)

Künstlerische Leitung: Sarah Günther
Produktionsleitung: Berecz Zsuzsa

Mobile Albania: www.mobilealbania.de
Pneuma Szöv: www.pneumaszov.org

Weitere Informationen erhalten Sie bei der Schering Stiftung unter 030-20 62 29 60 sowie unter www.mitost.org

 

Foto: © Mobile Albania und Pneuma Szöv

Die Zwanzig-Forint-Operette - eine Budapester Straßenfantasie

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