Ivana Franke

 

Infame Perspektiven

In einem Hotelzimmer in Aalst (Belgien) ermordete 1999 ein Elternpaar seine beiden Kinder. Vor Gericht sagten sie: „Wir wollten nur das Beste für sie.“ Beide wurden für schuldfähig erklärt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Ist es möglich, sich in die Innenwelt solch extremer Figuren hinein zu versetzen? Können wir uns in die Perspektive von Personen und Figuren hineindenken, deren Handeln wir ablehnen? Wann ist diese Perspektivübernahme hilfreich oder geboten und warum faszinieren Einblicke in Verbrechen Leser, Theater- und Kinobesucher?

Infame Perspektiven

Diese Fragen untersucht das !KF Institut für künstlerische Forschung in seinem Projekt INFAME PERSPEKTIVEN, das im März 2013 mit einem Experiment beginnt. Vom 4. bis zum 17. März 2013 können Besucher des Experiments einen Selbstversuch unternehmen: In einer Installation sprechen sie die Rollen der Eltern aus dem Prozess, aufgezeichnet in dem dokumentarischen Drama Aalst von Pol Heyvaert und Dimitri Verhulst.
Höhepunkt des Projekts wird am 24. Oktober 2013 um 20 Uhr die Premiere einer Aufführung sein, die den Verlauf und die Ergebnisse des Experiments als Theaterproduktion dokumentiert und verarbeitet. Vom 25. bis 27. Oktober 2013 findet ein öffentliches Symposium mit Vertretern von Berufsgruppen statt, die sich infame Perspektiven professionell erschließen müssen: Juristen, Psychiater, Kriminologen, Schriftsteller und Schauspieler, Literatur- und Kunstwissenschaftler nutzen jeweils unterschiedliche Strategien, um die Subjekte solcher Perspektiven zu verurteilen, zu therapieren, zu beschreiben, darzustellen oder schlicht zu verstehen.

Das Projekt ist ein herausragendes Beispiel interdisziplinärer Forschung von Künstlern und Wissenschaftlern – eine Schnittstelle, deren Förderung die Schering Stiftung seit ihrer Gründung aktiv unterstützt. Darüber hinaus eröffnet INFAME PERSPEKTIVEN den Theaterbesuchern, den Probanden der experimentellen Videoinstallation sowie den Teilnehmern des Symposiums die Möglichkeit, die Ergebnisse der Forschung „am eigenen Leib“ zu überprüfen und zu hinterfragen.

Infame Perspektiven – Theaterexperiment und Symposium

Teil 1: Das Experiment
04. – 17. März 2013, täglich 14 bis 19 Uhr

UFERSTUDIOS
Uferstr. 8/23
13357 Berlin

Karten: 7 €, ermäßigt 4 € - für Teilnehmer am Experiment Eintritt frei
Teilnahme nur nach Anmeldung (2 Besucher pro Stunde): Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder 0163-72 9388 80

per.SPICE!
18. März 2013, 20 Uhr

Erfahrungen und Berichte aus dem Experiment werden im Forum künstlerischer Forschung perSPICE! vorgestellt und mit Teilnehmern des Experiments diskutiert.

SOPHIENSAELE, Kantine
Sophienstr. 18
10178 Berlin
Eintritt frei


Teil 2: Aufführung und Symposium

24. bis 27. Oktober 2013

SOPHIENSAELE
Sophienstr. 18
10178 Berlin

Kartenreservierung unter 030-283 52 66 und an allen bekannten Vorverkaufsstellen, Abendkasse zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn.

Weitere Informationen erhalten Sie bei der Schering Stiftung unter 030-20 62 29 60 sowie unter: artistic-research.de

 

Eine Produktion von !KF – Institut für künstlerische Forschung und a rose is in Zusammenarbeit
mit den Sophiensælen mit freundlicher Unterstützung der Uferstudios. Gefördert aus Mitteln des
Hauptstadtkulturfonds, der Schering Stiftung und der Rudolf Augstein Stiftung.


Foto: Don-berlin.com

 

 

Programm Infame Perspektiven als pdf

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