Ivana Franke

 

Eine Maschine zur Verbesserung der Welt

Was wäre, wenn es seit dem 17. Jahrhundert in Berlin den geheimen, aber stetig verfolgten Plan gegeben hätte, die Welt zu verbessern? Was wäre, wenn Wissenschaftler und Künstler in Berlin deshalb über Jahrhunderte hinweg an einer gigantischen Weltverbesserungsmaschine geforscht hätten? Und: Was wäre, wenn wir diese Maschine errichten könnten? Ab dem 22. August 2013 versucht ein Ausstellungsprojekt kuratiert von Friedrich von Borries genau dies.

Die Berliner Weltverbesserungsmaschine

Seit dem 17. Jahrhundert gibt es in verschiedenen europäischen Metropolen den geheimen Plan, eine Weltverbesserungsmaschine zu errichten. Diese basiert auf der Annahme, dass die richtige Anordnung von bestimmten Kunstwerken und Artefakten in einer architektonischen Superform eine mächtige Kraft freisetzen würde. Die Idee beflügelte absolutistische Machtphantasien genauso wie aufklärerische Weltverbesserungsansprüche.
Auch der preußische Staat wollte im europäischen Wettbewerb nicht zurückstehen und gründete deshalb die Akademie der Künste (1696), die Akademie der Wissenschaften (1700) und später die Königlichen Museen zu Berlin (ab 1830). Ihre primäre Aufgabe war der Bau der Maschine. Die Akademien widmeten sich der wissenschaftlichen und künstlerischen Forschung, die Museen sammelten die als notwendig erachteten Bauteile. Als im ausgehenden 19. Jahrhundert die Arbeiten an der Weltverbesserungsmaschine abgebrochen wurden, geriet das Geheimprojekt in Vergessenheit.


Nun wird diese historische Weltverbesserungsmaschine kritisch rekonstruiert. In den Berliner Sammlungen werden 70 Artefakte, die Bestandteile der Maschine sein sollten, durch ergänzende Exponattexte markiert. Eine Schatzkarte führt den Besucher zu den Objekten in 15 Berliner Museen, darunter das Deutsche Historische Museum, die Alte Nationalgalerie und das Museum für Naturkunde. Der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin zeigt zudem ein zehn Meter hohes pyramidenförmiges Modell der Weltverbesserungsmaschine und im Merve Verlag erscheinen zwei begleitende Publikationen.


Die Weltverbesserungsmaschine reflektiert das aktuelle und historische Verhältnis der Künste und Wissenschaften konkret am Beispiel der Berliner Sammlungs- und Akademiegeschichte und verweist auf die Kernabsicht beider Disziplinen: Welt zu erkennen und zu verändern. Die Schering Stiftung unterstützt dieses interdisziplinäre Projekt, da es ein innovatives Format ist, das künstlerische und wissenschaftliche Werke verschiedener Berliner Museen in einen fruchtbaren Dialog bringt.

 

Die Berliner Weltverbesserungsmaschine

 

Eröffnung: Donnerstag, 22. August 2013 um 19 Uhr

Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart
Invalidenstraße 50-51
10557 Berlin

Laufzeit: 23.08. bis 20.10.2013


„Die Berliner Weltverbesserungsmaschine“ ist ein Kooperationsprojekt von: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Staatliche Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Deutsches Historisches Museum, Museum für Naturkunde und Hochschule für bildende Künste Hamburg.
Gefördert durch: Junge Akademie und Schering Stiftung.
Kurator: Friedrich von Borries.

Weitere Informationen erhalten Sie bei der Schering Stiftung unter 030-20 62 29 60 sowie unter friedrichvonborries.de

Einladung Die Berliner Weltverbesserungsmaschine.pdf

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