Ivana Franke

 

Die BacNet15 Konferenz

27.04.2015, Sant Feliu de Guixols/Spanien | Die Bacterial-Networks-Konferenz (kurz "BacNet") hat sich zu einer der wichtigsten europäischen wissenschaftlichen Konferenzen entwickelt, die alle zwei Jahre die führenden Vertreter der Molekularen Mikrobiologie, Systembiologie und Synthetischen Biologie aus Europa und Übersee zusammenbringt. In diesem Jahr findet die Konferenz vom 9. bis 14. Mai im spanischen Sant Feliu de Guixols nördlich von Barcelona  statt. Im Rahmen der Konferenz wird zum zweiten Mal eine Science & Society Session veranstaltet, welche von der Biologin Prof. Dr. Regine Hengge von der Humboldt-Universität zu Berlin geleitet und von der Schering Stiftung ermöglicht wird. Das diesjährige Thema lautet „Visual Communication in Science“.

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Die Science & Society Session „Visual Communication in Science“

Kommunikation innerhalb und außerhalb der ‚scientific community‘ ist eine essenzielle Komponente moderner Naturwissenschaft. Gerade heutzutage, wo die Naturwissenschaften einen immer größeren Einfluss auf das Leben aller in unserer Gemeinschaft haben und auch in der Öffentlichkeit immer stärker wahrgenommen werden, verlangt dies von Wissenschaftlern, nicht nur innerhalb ihrer Fachkreise zu kommunizieren, sondern ganz gezielt auch in der Öffentlichkeit. Wirkungsvolle und zugleich verantwortungsvolle Wissenschaftskommunikation stellt jedoch für die meisten Naturwissenschaftlern ein Terrain dar, auf dem sie sich mangels Erfahrung zögerlich bewegen.

Daher wird der Themenkomplex Wissenschaftskommunikation auf der BacNet15 im Rahmen einer Science & Society Session von dem Wissenschaftspublizist Joachim Schummer und der Künstlerin Pinar Yoldas beleuchtet und diskutiert. Insbesondere wird es um den Einsatz und die Macht von Bildern gehen sowie um innovative Wissenschaftskommunikation an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst. Die Session versteht sich selbst als Experiment, das Diskussionen anregen und den Naturwissenschaftlern neue Blickwinkel auf ihre Arbeit und deren Außenwirkung eröffnen soll.

Über die Referenten

Wissenschaftspublizist Joachim Schummer

Seit einigen Jahren erleben wir einen Aufstieg des Visuellen in den modernen Naturwissenschaften. Primärdaten sind zunehmend wieder komplexe Bilder (neben den traditionellen quantitativen Messungen);  Modelle und Hypothesen sind oft nur bildlich zu vermitteln. Darüber hinaus werden künstlerisch gestaltete Bilder immer gezielter in der Popularisierung von Wissenschaft eingesetzt, wobei sich diese Bilder mit in der Gesellschaft vorhandenen Populärbildern, Metaphern und Narrativen zu mischen und massiv auf die Entwicklung der Wissenschaften zurückzuwirken beginnen. Mit der Analyse dieser Entwicklungen hat sich der Wissenschaftler, Philosoph und Wissenschaftspublizist Schummer einen Namen gemacht. In seinem Vortrag wird er sich auf die erkenntnistheoretische Frage konzentrieren, ob immer genauere, hochauflösende mikroskopische Bilder tatsächlich die Grundlage verallgemeinerbaren Wissens sein können. Zudem wird er auch auf den Popularisierungscharakter derartiger Bilder eingehen.

Künstlerin Pinar Yoldas

Gerade die Synthetische Biologie und das ihr inhärente Gestaltungs- und Design-Potenzial ziehen zunehmend Künstler an, die neue Modelle für die Lebewesen der Zukunft schaffen, in Kooperationen im Labor sogar direkt mit Zellen oder Gewebe arbeiten oder auch den öffentlichen „Auftritt“ der Synthetischen Biologie gestalten. Dieser Aspekt wird von der Künstlerin Pinar Yoldas vertreten, die in ihrem Vortrag Kunst als spekulativen naturwissenschaftlichen Denkansatz behandeln wird. Pinar Yoldas ist eine interdisziplinär arbeitende Künstlerin und Forscherin. Im Mittelpunkt ihrer künstlerischen Forschung stehen soziale und kulturelle Systeme, die sie in Beziehung zu biologischen und ökologischen Systemen setzt. Ihr Forschungsinteresse gilt der Bio-Art, dem Dialog von Kunst und Neurowissenschaften sowie dem Ökofeminismus. In jüngster Zeit kreiert sie Mutationen, Gewächse und Neoplasien von Organen. Dabei geht es ihr um die Transformationen, denen Körper und Sexualität durch die primär urbane, technokapitalisti¬sche Konsumgesellschaft ausgesetzt sind.

ESF-EMBO Symposium
Bacterial Networks (BacNet15)

9. bis 14. Mai 2015
Sant Feliu de Guixols, Spanien

Weitere Informationen, insbesondere zum Programm, erhalten Sie hier. Eine Anmeldung zur Konferenz ist nicht mehr möglich.

Abbildung: Zum Zeitpunkt der Aufnahme lebende E. coli-Bakterien, in denen einzelne Proteine und Proteinkomplexe mit unterschiedlich fluoreszenzierenden Reporterproteinen markiert sind. © Dr. Victor Sourjik