Ivana Franke

 

Friedmund Neumann Preis 2015

Dr. Nina Henriette Uhlenhaut

Helmholtz Zentrum München für Gesundheit und Umwelt

für ihre herausragenden Beiträge zur Erforschung molekulargenetischer Mechanismen endokrinologischer und metabolischer Erkrankungen

Dr. Nina Henriette Uhlenhaut

Vita

Die promovierte Molekularbiologin Dr. Nina Henriette Uhlenhaut studierte in den 90er Jahren Biotechnologie an der TU Braunschweig und erwarb währenddessen einen Master of Science am Georgia Tech in Atlanta. Die Forschung für ihre Diplomarbeit führte sie am Salk Institute in San Diego durch. Dort begann sie sich für Mechanismen der Genregulation zu interessieren, die sie während ihrer Doktorarbeit am EMBL in Heidelberg weiter untersuchte. Insbesondere erforscht Dr. Uhlenhaut die transkriptionelle Repression, weswegen sie nach der Promotion im Jahr 2007 wieder ans Salk Institute in San Diego ging, um im Labor von Prof. Ron Evans zu arbeiten. Ihre dortigen Projekte, die sich um Genregulation durch Hormonrezeptoren drehten, führten sie als Postdoc am MDC in Berlin weiter und sind nun Thema ihrer unabhängigen Emmy Noether Gruppe „Molekulare Endokrinologie“ am Helmholtz Zentrum München, die sie seit 2013 leitet. Uhlenhaut ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Forschungsarbeit

Dr. Uhlenhaut interessiert sich für die Genregulationsmechanismen, die den Hormonantworten unseres Körpers zugrunde liegen. Dabei liegt ihr Fokus auf der sog. transkriptionellen Repression, um zu verstehen wie Gene ausgeschaltet werden.

Dr. Uhlenhaut konnte im Tiermodell zeigen, dass ein bestimmtes Gen, der Transkriptionsfaktor Foxl2, in Weibchen ständig dazu benötigt wird, um die Umwandlung von Eierstöcken in Hoden zu verhindern, also eine Geschlechtsumwandlung zu unterdrücken. Beispielsweise sind weibliche Mäuse während ihres ganzen Lebens auf Foxl2 angewiesen, das zusammen mit den Östrogenrezeptoren männliche Gene ausschaltet. Diese revolutionäre Beobachtung war nicht nur für das Feld der Reproduktionsbiologie von zentraler Bedeutung, sondern leistete auch einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der zellulären Plastizität im Allgemeinen.

Ein weiteres Beispiel für die Wichtigkeit der Repression für die Funktion der Zelle ist die entzündungshemmende Wirkung von Glucocorticoiden. Diese Steroidhormone gehören sowohl zu den am häufigsten eingesetzten entzündungshemmenden Medikamenten als auch zu den wirksamsten Stoffwechselregulatoren. Unter Einsatz von neuesten genomweiten Methoden (Next Generation Sequencing) hat Dr. Uhlenhaut gezeigt, dass der Glucocorticoidrezeptor direkt an die DNA bindet um Entzündungsgene auszuschalten. Diese Studien haben ein lang bestehendes Dogma im Feld widerlegt, das besagte, dass der Glucocorticoidrezeptor keine DNA Bindung sondern Protein-Protein-Interaktionen mit anderen Transkriptionsfaktoren verwendet, um seine entzündungshemmende Wirkung zu entfalten. Dies ist besonders relevant, da die unerwünschten Nebenwirkungen von Steroidbehandlungen wie z.B. Gewichtszunahme und Diabetes mit der Aktivierung von Stoffwechselgenen in Verbindung gebracht werden, während die gewünschte entzündungshemmende Funktion durch das Ausschalten von Immungenen erreicht wird.

Mit ihrer Arbeitsgruppe will Dr. Uhlenhaut zukünftig weitere molekulargenetische Ansätze verwenden, um Hormonrezeptoren zu untersuchen, die eine Rolle im Zucker- und Fettstoffwechsel spielen.

Photo: N. H. Uhlenhaut, © Melanie Wehnert, Fotostudio Lux in Berlin