Ivana Franke

 

Sprache und Wissen

22.02.2016, Berlin | Der Schriftsteller Marcel Beyer kuratiert das von der Schering Stiftung initiierte und mit dem Haus der Kulturen der Welt entwickelte Festival „Sprache und Wissen“, zu dem Übersetzer, Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler – darunter Terézia Mora, Olaf Nicolai, Hans-Jörg Rheinberger und Hanns Zischler – eingeladen sind, die „Mutter der Kommunikation“ zu erforschen. „Sprache und Wissen“ findet am 8. und 9. April 2016 im Haus der Kulturen der Welt statt.

Collage, Dagmara Kraus

„Sprache bringt Ordnung in die bestehende Welt, sie erlaubt uns in nicht-existierende Welten vorzudringen, indem sie unsere Vorstellungskraft befeuert. In den Wissenschaften dient sie als Ausweis intellektueller Lauterkeit und als Beglaubigungsinstrument. In der Literatur bildet sie die Grundlage eines Erfindungsreichtums, der alle Tatsachen hinter sich lassen kann.“ (Marcel Beyer)

Wie formiert und was formt Sprache als Ausdruckswerkzeug und Wissensinstrument? In welchen ästhetischen und poetischen, prosaischen und narrativen Formen vermag sich unser Denken auszudrücken? Der Kurator und Schriftsteller Marcel Beyer entfaltet mit Sprache und Wissen einen Begegnungsraum zwischen Mittlern aus Literatur und Wissenschaft, um diesen Fragen nachzugehen.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts steht die Frage nach der Natur der Sprache. In den „Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft“ öffnet Ferdinand de Saussure den Blick auf die Konstruktionsmechanismen der Sprache, auf ihre Materialität. In den Folgejahrzehnten entwickelt sie eine ungeheure Wirkung auf die Geisteswissenschaften und die Literatur gleichermaßen. Am Ende des 20. Jahrhunderts steht die Frage nach der Sprache der Natur: Als im Jahr 2000 die Schlusssequenz des Humangenoms entziffert, mit der Buchstabenfolge A-C-G-T versehen und als „fortlaufender Text“ erstmals veröffentlicht wird, wird klar, dass die Natur in ihrem „Text des Lebens“ die menschliche Existenz lediglich aus vier Buchstaben unseres Alphabets zusammensetzt.

Was aber geschieht, wenn man dem ästhetischen Reiz des Faktischen nachgibt und die Buchstabenkette A-C-G-T in ein literarisches Ereignis verwandelt? Wie erleben Simultandolmetscher_innen das hochkonzentrierte Wechseln von Sprache zu Sprache oder auch zwischen den Sphären von Wissenschaft und Literatur? Sprechen die Basenpaare unseres Genoms miteinander? Wie verhält sich die Systematik der annähernd 6500 auf der Welt existierenden natürlichen Sprachen zu Gegenwartsgedichten in Kunstsprachen wie Esperanto oder Volapük?

Gemeinsam mit übersetzenden und dolmetschenden Sprachverwandlern geben Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler in Werkstattberichten, Lautperformances, Dialogen, Lesungen, Gesprächen und Diskussionen, im Sinne Heinrich von Kleists, Auskunft über das „Verfertigen der Gedanken beim Reden“ und Schreiben.

Sprache und Wissen
Werkstattgespräche, Dialoge, Befragungen, Lesungen, Lautperformances, Diskussionen


Mit Nora Gomringer, Ernst Kausen, Wolfgang Heiniger, Dagmara Kraus,Terézia Mora, Olaf Nicolai, Hans-Jörg Rheinberger, Klaus Sander, Anke te Heesen, Graham F. Valentine, Hanns Zischler u.a.

8. April 2016, 19–22:30 Uhr
9. April 2016, 14–21:30 Uhr

Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10 | 10557 Berlin

pdf Programmflyer

Tickets online über das HKW

Pressekontakt:
Haus der Kulturen der Welt, Anne Maier
Fon +49 30 397 87-153, Fax +49 30 3948679, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , www.hkw.de

Eine Initiative der Schering Stiftung, entwickelt in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt, Berlin

Photo: Collage: Dagmara Kraus | © Berlin kookbooks 2016 | aus: das vogelmot schlich mit geknickterschnute


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