Daria Martin, Schering Stiftung Projektraum

 

Susanne Kriemann. Pechblende

07.03.2016, Berlin | Das Prefix Institute of Contemporary Art und die Schering Stiftung präsentieren zwei Einzelausstellungen mit neuen Arbeiten der deutschen Künstlerin Susanne Kriemann: Pechblende (Prologue), kuratiert von Jayne Wilkinson, ist noch bis zum 26. März 2016 im Prefix Institute of Contemporary Art (Toronto, Kanada) zu sehen. Pechblende (Kapitel 1), kuratiert von Heike Catherina Mertens, wird vom 18. März bis 5. Juni 2016 in der Schering Stiftung (Berlin, Deutschland) zu sehen sein und am 17. März, 19 bis 21 Uhr, eröffnet.

Bitte beachten Sie: Am 26.05.2016 ist die Ausstellung wegen einer Veranstaltung nur von 13-16 Uhr geöffnet.

(c) Susanne Kriemann

Mit Fokus auf das Mineral Pechblende (Uraninit) spürt Kriemanns zweiteilige Ausstellung der Geschichte wissenschaftlicher und fotografischer Prozesse nach, die sie anhand der miteinander verwobenen Schauplätze Labor, Archiv, Museum und Bergwerk erzählt. Die hoch radioaktive, uranhaltige Pechblende wurde von 1946 bis 1989 im Erzgebirge auf dem Gebiet der ehemaligen DDR abgebaut und trug wesentlich zur atomaren Aufrüstung der UdSSR bei. Trotz der Toxizität der Minen und der dokumentierten Gesundheitsgefahr für die Minenarbeiter wurde das Erzgebirge mittlerweile zu einer beschaulichen Berglandschaft umgestaltet, in der sich nur noch wenige Spuren der nach wie vor radioaktiv strahlenden Industriestandorte finden lassen.

Ausgehend von ihrer Beschäftigung mit der sowohl realen als auch politischen Unsichtbarkeit von Radioaktivität, fertigte Kriemann in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des American Museum of Natural History (New York), den National Archives (Washington DC) und dem Museum für Naturkunde (Berlin) verschiedene Versionen von Autoradiogrammen an – eine spezielle Art der Fotografie, bei der fotosensitives Material durch radioaktive Objekte selbst belichtet wird. Durch diese kameralose Belichtung entsteht ein indexikalisches, aber äußerst abstraktes Bild, in dem die ikonisch gewordenen Aufnahmen eines Atompilzes und seines strahlenden Lichts als Spukbild nachwirken.

In Pechblende (Prologue) kombiniert Kriemann ihre eigenen Autoradiogramme und Fotogramme mit Archivbildern aus unterschiedlichen Quellen, darunter Luftbildaufnahmen und wissenschaftliche Fotografien, auf denen die radioaktive Verseuchung von Tieren, Pflanzen und Menschen deutlich wird.

Pechblende (Kapitel 1) umfasst eine Reihe musealer Gegenstände – Werkzeuge, Ketten, Kleidungsstücke –, die in ihrer Gesamtheit auf die toxische Geschichte des Uranabbaus und seiner Auswirkungen auf die Körper der Minenarbeiter verweisen. Indem sie diese Objekte mit Hilfe verschiedener Verfahren der Analogfotografie – wie z.B. der Autoradiografie und Camera obscura – beleuchtet, reflektiert Kriemann die künstlerischen Möglichkeiten, Unsichtbares sichtbar zu machen.

Susanne Kriemann: Pechblende (Kapitel 1)

Eröffnung: 17.03.2016, 19 - 21 Uhr
Laufzeit: 18.03. - 05.06.2016
Donnerstag bis Montag 13–19 Uhr | Eintritt frei

Bitte beachten Sie: Am 26.05.2016 ist die Ausstellung wegen einer Veranstaltung nur von 13-16 Uhr geöffnet.

Schering Stiftung – Projektraum
Unter den Linden 32-34 | 10117 Berlin

Susanne Kriemann: Pechblende (Prologue)

noch bis 26.03. im Prefix Institute of Contemporary Art
401 Richmond Street West, Suite 124
Toronto, Ontario, Canada M5V 3A8
Öffnungszeiten: Mittwoch–Samstag 12–17 Uhr

www.prefix.ca

Begleitveranstaltungen:

Salon Pechblende
14.04.2016, 12–17 Uhr
Exzellenzcluster der Humboldt-Universität zu Berlin

Susanne Kriemann, Künstlerin
Susan Schuppli, Goldsmiths, University of London
Dr. Ralf Thomas Schmitt, Museum für Naturkunde
Frank Weißflog, Besucherbergwerk Pöhla
Christina Landbrecht und Friederike Schäfer; Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung, HU Berlin

Moderation: Isabelle Busch

Ein Projekt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung der Humboldt-Universität zu Berlin.

Vortrag
40 Jahre Uranerzabbau im Erzgebirge - Sanierung einer Region als Jahrhundertaufgabe

26.05.2016, 18 Uhr, in der Schering Stiftung

Prof. Dr. Georg Büchel, Institut für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena

in Deutsch | Eintritt frei | Anmeldung erforderlich unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Ausführliche Informationen


Gespräch mit der Künstlerin und Buchpräsentation:
Pechblende. Bibliothek des radioaktiven Jenseits
03.06.2016, 14 Uhr, in der
Schering Stiftung

in Deutsch | Eintritt frei | Anmeldung erforderlich bis 30.05. unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


Ein Projekt in Kooperation mit dem Prefix Institute of Contemporary Art, Toronto, und dem Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung der Humboldt-Universität zu Berlin, gefördert vom Kunstfonds Bonn.

Wir danken Lutz Seiler, dem American Museum of Natural History, New York, dem Museum für Naturkunde, Berlin, und dem Museum Uranbergbau, Bad Schlema, für die freundliche Unterstützung.

Foto:

Susanne Kriemann, Pechblenden 1 (AMNH), 2015, Autoradiogramm, Test 1/1, Ausstellungsstück C59072,
Pechblende, Sachsen, Deutschland, aus der Sammlung des American Museum of Natural History, 20x25 cm
© Susanne Kriemann
Impressionen vom Eröffnungsabend

Stiftung

Die unabhängige und gemeinnützige Schering Stiftung wurde 2002 durch die Schering AG, Berlin, gegründet und dient der Förderung von Wissenschaft und Kultur ...  

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