Daria Martin, Schering Stiftung Projektraum

 

Yvonne Roeb: IM ÜBER ALL

Ausstellungseröffnung:
Mittwoch, 14. September 2016, 18–21 Uhr

Laufzeit: 15.9. – 6.11.2016
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Montag, 13–19 Uhr

Schering Stiftung
Unter den Linden 32–34 | 10117 Berlin

Unter dem Titel „IM ÜBER ALL“ stellt die in Berlin und Düsseldorf lebende Künstlerin Yvonne Roeb (*1976) ihre Skulpturen aus naturrealistischen, surrealen und artifiziellen Elementen in den Kontext der Wunderkammer. Die Bildhauerin formt ihre aus der Tier-, Pflanzen- und Mineralienwelt entlehnten Mischwesen aus modernen, ungewöhnlichen Materialien, spannt aber auch einen Bogen zur klassischen Bildhauerei. Ihre inhaltlich stets doppeldeutigen Werke werden in der Schering Stiftung in einer Nischenwand präsentiert, die jedem Objekt einen eigenen Entfaltungsraum gewährt.

Yvonne Roeb, Portrait, 2016, Foto: Markus Bachmann; Ausstellung in der Schering Stiftung: September - November 2016

Yvonne Roeb: Kaefer, Foto: Markus Bachmann

Yvonne Roeb betrachtet Gegenstände nicht als bloße Dinge, sondern fragt nach dem beseelten Wesen eines jeden Objektes. Der Glaube an übernatürliche Mächte in einem Gegenstand und deren Verehrung als heilige Objekte wie im Fetischismus sowie die spirituell-religiöse Vorstellung von der Beseeltheit aller Naturerscheinungen wie im Animismus, klingen im Werk von Yvonne Roeb ebenso an wie Aspekte des Totemismus und des Animalismus. So gehen im Totemismus die Menschen eine mythisch-verwandtschaftliche Verbindung zu bestimmten Naturerscheinungen ein und die ‚Totems‘ dienen u. a. dazu, das Fremde und Bedrohliche in die Welt des Menschen zu integrieren. Im Animalismus werden dagegen Tieren besondere Mächte zugeschrieben. All diese Vorstellungen fließen in die Arbeiten von Yvonne Roeb ein, bilden aber neben naturwissenschaftlichen und formalen Fragen nur einen Aspekt ihrer sehr aktuellen Werke. Während die Wunderkammern der Spätrenaissance und des Barock Objekte unterschiedlicher Provenienz und Zweckbestimmung gemeinsam präsentierten – Kunstwerke neben naturwissenschaftlichen Exponaten – gleichen Yvonne Roebs Skulpturen einer Synthese künstlerischer und naturbezogener Studien und sind somit gleichsam Ausdruck einer universellen Kultur.

Neben den Skulpturen werden in der Schering Stiftung neue Zeichnungen der Künstlerin zu sehen sein, die als Reinterpretation des Dreidimensionalen in die zweidimensionale Ebene zu verstehen sind. Sie zeigen die verborgenen Rückseiten der präsentierten Skulpturen. Roeb kehrt damit das Prinzip der zeichnerischen Skizze und der darauf folgenden Skulptur um und hinterfragt so den Mythos der Zeichenstudie als schöpferische Quelle allen künstlerischen Schaffens.

Yvonne Roebs zeitlose Artefakte knüpfen an den aktuell sehr virulenten Diskurs der Human-Animal Studies an. Als noch junges interdisziplinäres Forschungsfeld setzen sich die Human-Animal Studies mit den komplexen Mensch-Tier-Beziehungen u. a. aus psychologischer, soziologischer, kulturwissenschaftlicher und anthropologischer Sicht auseinander.

Die Schering Stiftung ist Partner der Berlin Art Week 2016. Zur Eröffnung der Ausstellung am 14. September 2016 sprechen Dr. Michael Krajewski, Kurator der Ausstellung „Yvonne Roeb, Divine Beast“ im Lehmbruck Museum, Duisburg, und Heike Catherina Mertens, Kuratorin der Schering Stiftung.

Die Schering Stiftung ist Partner der Berlin Art Week 2016.


Begleitprogramm:

Vortrag von Anselm Franke: 4. Oktober 2016, 18 Uhr
„Über Morphologien: Animalismus und Animismus“
Wir bitten um Anmeldung bis zum 27.09.2016 unter: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


Abbildungen:
Yvonne Roeb, Portrait, 2016, Foto: Markus Bachmann
Yvonne Roeb: Käfer, 2009, Gips, Harz, Lack, 50 x 34,5 x 22 cm, Foto: Markus Bachmann
Yvonne Roeb: Midnight Rider, 2009, Pferdeschweife, Polyester, Lack, Leder, Metall, Gurtband, 270 x 30 x 60 cm, Foto: Markus Bachmann

Yvonne Roeb: Mightnight Rider, Foto: Markus Bachmann

Aktuelles

KLAS-Workshop „AESTHETICS get SYNTHETIC“

17.10.2017, Berlin | Im Rahmen des „Artist-in-Residence“-Programms KLAS laden die Max-Planck-Institute für Kolloid- und Grenzflächenforschung und...
mehr

Verschwindende Vermächtnisse: Die Welt als Wald

11.10.2017, Berlin | Der Wald ist ein Mythos. Besungen und vergoldet von Künstlerinnen und Künstlern aller...
mehr

Perspektivisomorphe – ein experimentell-künstlerischer Zugang als Theorieansatz in der Organischen Chemie

04.10.2017, Berlin | In einem neuen Projekt an der Justus-Liebig-Universität Gießen kommt es zu einer ungewöhnlichen...
mehr