Daria Martin, Schering Stiftung Projektraum

 

Anne Imhof auf der 57. Venedig Biennale 2017

26.04.2017, Berlin | Anne Imhof gestaltet im Jahr 2017 den deutschen Pavillon auf der 57. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia „Viva Arte Viva“. Eigens für den Pavillon entwickelt die Künstlerin eine raum- und zeitgreifende Arbeit, die fragt, in welcher Weise die neuen technischen und ökonomischen Bedingungen auf den Menschen einwirken. In ihren Performances reflektiert Imhof, wie der optimierte und kapitalisierte Körper durch die mediale Vermittlung (mit)konstituiert wird. Damit greift Imhof eine zentrale Frage an der Schnittstelle von Biologie, Technik und Kunst auf, die die Schering Stiftung in vielen ihrer Projekte verfolgt und fördert. Kommissarin des deutschen Pavillons ist Susanne Pfeffer.

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Blicke treffen sich, aber keine Kommunikation entsteht. Sie nehmen einen wahr, aber erkennen einen nicht an. Nach Gender, individuell und eigen, zugleich aber stereotyp erscheinen die Menschen in Anne Imhofs Malereien und Szenarien. Geräusche, Klang und Kompositionen rhythmisieren wie synchronisieren Raum und Körper in einer gedehnten Zeit, welche sich lose durch Narrationen gliedert. Das Geschehen ist kontingent, alles kann in jedem Moment auch anders sein. Die Bewegungen changieren zwischen zäher Alltäglichkeit und rätselhaften Ritualen, zwischen fremdbestimmten wie schematisierten Abläufen oder individuellen Fehlfunktionen, Uniformität und Punk. In der Gruppe formiert, bleibt die ziellose Individualität bestehen. Auch wenn sie gemeinsam singen, singen sie vom Ich.

Auf Matten und Schlafsäcken, mit Boxsäcken, Baseballschlägern und Rasierern bewegen sich die Performer im Trainingscamp der kapitalisierten Körper und des optimierten Lebens. Zum Bersten gespannt oder erschlafft, erscheinen die dressierten und fragilen Körper wie von unsichtbaren Machtstrukturen durchzogenes Material. Den Bio-Techno- Körpern ist ihre mediale Vermittlung bereits inhärent. Sie scheinen sich permanent in konsumierbare Bilder zu verwandeln; sie wollen zum Bild werden, zur digitalen Ware.

Anne Imhof begegnet der Brutalität unserer Zeit mit einem harten Realismus. In ihren Szenarien vergegenwärtigt sie, wie der Körper in materiellen und diskursiven, in technologischen, sozio-ökonomischen und pharmazeutischen Grenzziehungen konstituiert wird. Anne Imhof macht so den Raum zwischen Körper und Realität sichtbar, in dem unsere Persönlichkeit überhaupt erst entsteht.

Vita

Anne Imhof (* 1978) graduierte 2012 an der Städelschule in Frankfurt am Main. 2015 wurde Imhof mit dem Preis der Nationalgalerie ausgezeichnet und produzierte daran anschließend die Oper Angst, die 2016 in drei Akten in der Kunsthalle Basel, dem Hamburger Bahnhof in Berlin und auf der Biennalede Montréal gezeigt wurde. Ihre Performance-Zyklen Deal (2015), Rage (2014), Aqua Leo (2013) und School of the Seven Bells (2012) waren u.a. in Einzelausstellungen im MoMA PS1, New York (2015), dem Carré d’Art – Musée d’art contemporain de Nîmes (2014) sowie im New Jerseyy, Basel und dem Portikus, Frankfurt am Main (2013) zu sehen. In internationalen Gruppenausstellungen wurden ihre Arbeiten u.a. im Palais de Tokyo, Paris, dem Centre Pompidou, Paris (2015) und dem Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main (2014) gezeigt. Anne Imhof war 2015 Gastprofessorin an der Akademie der Bildenden Künste München. 2013 erhielt sie ein Atelierstipendium der Hessischen Kulturstiftung in Paris.

57. Internationale Kunstausstellung – La Biennale di Venezia

Die Pressekonferenz sowie die Eröffnung des deutschen Pavillons (Pavillon in den Giardini) finden am 10. Mai 2017 statt.

Die 57. Internationale Kunstausstellung – La Biennale di Venezia eröffnet am 13. Mai 2017 und läuft bis zum 26. November 2017.

Portrait: Anne Imhof © Foto Nadine Fraczkowski


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