Daria Martin, Schering Stiftung Projektraum

 

Verschwindende Vermächtnisse: Die Welt als Wald

11.10.2017, Berlin | Der Wald ist ein Mythos. Besungen und vergoldet von Künstlerinnen und Künstlern aller Zeiten und Regionen. Er ist Sehnsuchtsort, Lebenswelt und Ressource. Für europäische Naturforscher des 19. Jahrhunderts auch Stätte der Erkenntnis. Doch wie sieht der (Regen-)Wald heute aus? Wie hat der Mensch diesen idealen Lebensraum nach seinen Bedürfnissen verändert und das fein austarierte Zusammenspiel der Arten zerschlagen? Und andersherum, welche Erkenntnisse gibt es heute darüber, wie der Mensch aus diesen fruchtbaren Gefügen eigentlich gar nicht wegzudenken ist, weil in vielen Urwäldern indigene Kultivierungspraktiken verwurzelt sind? Ist die Trennung von Natur und Kultur aus naturwissenschaftlicher Perspektive im Anthropozän noch haltbar? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Ausstellung Verschwindende Vermächtnisse: Die Welt als Wald, die am 9. November 2017 im Centrum für Naturkunde in Hamburg eröffnen wird.

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Mit der Sonderausstellung holt das Centrum für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg das aktuelle Problem- und Forschungsfeld von Artensterben, Entwaldung und Klimawandel mit zeitgenössischen Kunstwerken ins Zoologische Museum. Vom 10. November 2017 bis 29. März 2018 verwandeln audiovisuelle Installationen, Fotografien, Filme und Skulpturen internationaler Künstlerinnen und Künstler die Ausstellungshalle in einen (bedrohten) Lebensraum Wald. In Zusammenarbeit mit Kustodinnen und Kustoden der wissenschaftlichen Sammlungen des CeNak, des Herbarium Hamburgense und des Nutzpflanzenmuseums präsentieren die Ausstellungskuratoren Anna-Sophie Springer und Dr. Etienne Turpin eine Vielzahl botanischer und zoologischer Objekte als Referenzen für die Transformationen tropischer Ökosysteme seit deren Erschließung durch europäische Naturforscher vor gut eineinhalb Jahrhunderten. Verschwindende Vermächtnisse zeigt unvergleichliche Artenvielfalt somit im Spannungsfeld von Wissenschaft und Monokultur.

Anlass der Ausstellung ist der 160. Jahrestag der Veröffentlichung der Darwin-Wallace-Papiere, einer der zentralen Abhandlungen der Biologie als wissenschaftlicher Disziplin. Der britische Naturforscher und Naturaliensammler Alfred Russel Wallace (1823–1913) unternahm im 19. Jahrhundert Expeditionen nach Südamerika und Südostasien. Seine umfassende Sammlung gilt als Grundlage seiner bahnbrechenden Selektionstheorie. „Wallace hatte das Glück, mit der Amazonasregion und den Indo-Malaiischen Inseln zwei der artenreichsten Lebensräume der Erde zu erforschen“, sagt CeNak-Direktor und Wallace-Biograph Prof. Dr. Matthias Glaubrecht. „Heute verlieren diese Gebiete durch die Abholzung der Regenwälder auf dramatische Weise ihre Biodiversität. Mit künstlerischen Mitteln wollen wir auf diese Verschwindenden Vermächtnisse aufmerksam machen.“

Die Ausstellung im Cenak

Zoologisches Museum Hanburg - Centrum für Naturkunde
Universität Hamburg

Zugang Bundesstraße 52
Martin-Luther-King Platz 3 | 20146 Hamburg

Eröffnung und Pressekonferenz: 9. November 2017, 18 Uhr
Laufzeit: 10. November 2017 – 29. März 2018
Eintritt frei

Zur Ausstellung findet ein Begleitprogramm statt. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Künstlerische Leitung: Anna-Sophie Springer & Etienne Turpin
Wissenschaftliche Berater: Matthias Glaubrecht, Felix Sattler, Frank Steinheimer

Weitere Stationen

Tieranatomisches Theater
Humboldt-Universität zu Berlin
20. April – 26. August 2018

Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
20. Oktober – 16. Dezember 2018

"Verschwindende Vermächtnisse: Die Welt als Wald ist ein Projekt von Anna-Sophie Springer und Etienne Turpin. Die Ausstellung wird durch das Centrum für Naturkunde (CeNak) realisiert und ist eine Kooperation mit dem Tieranatomischen Theater (Humboldt-
Universität zu Berlin), dem Zentralmagazin Naturwissenschaftliche Sammlungen (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), dem Goethe-Institut Singapur und der Schering Stiftung. Das Projekt wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

Abb.: Foto von der Bauphase der T ran samazônica-Autobahn, die während der brasilianischen Militärdiktatur durch den Regenwald geschnitten wurde, Abbildung aus der Zeitschrift Re vista Manchete, Brasilien, 1971, mit Dank an Paulo Tavares.

Stiftung

Die unabhängige und gemeinnützige Schering Stiftung wurde 2002 durch die Schering AG, Berlin, gegründet und dient der Förderung von Wissenschaft und Kultur ...  

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