Daria Martin, Schering Stiftung Projektraum

 

Beitrag von Alexandra Bachzetsis zur documenta 14

08.06.2017, Berlin | Für die Choreografin Alexandra Bachzetsis sind die Kommunikationssysteme, die unsere moderne Kultur prägen – Popmusik, Massenmedien und Internet – die wahren Ursprungsorte des zeitgenössischen Tanzes.* Auf Einladung von der documenta 14 hat Bachzetsis eine neue Arbeit entwickelt, die bereits in Athen zu sehen war und nun vom 10. bis 13. Juli 2017 in Kassel präsentiert wird. Auch an der Volksbühne in Berlin wird die Performance gezeigt werden.

Alexandra Bachzetsis, Private Song, Foto Nikolas Giakoumakis

Alexandra Bachzetsis greift gesellschaftliche Normen, die Gesten steuern, im täglichen Leben wie auf der Bühne auf. In ihrer Arbeit PRIVATE: Wear a mask when you talk to me (2016) führt Bachzetsis Körperstellungen aus Yoga, Pornofilmen, Fußball und anderen Bereichen zusammen und protokolliert, mittels ritualistischer Wiederholung von Gesten, die Entstehung von sozialem Geschlecht und Begehren unter neoliberalen Bedingungen.* Diese Arbeit bildet den Ausgangspunkt des neuen Projekts Private Song für die documenta 14. Private Song beruft sich unter anderem auf das Rembetiko, einen Musikstil, der die griechische Volksmusik mit der osmanischen Musiktradition verbindet. Geschlechterspezifische Praktiken scheinen nicht nur in den orientalischen Kaffeehäusern durch eine traditionelle Aufteilung bestimmt zu sein: Instrumentalisten waren von jeher überwiegend männlich, Gesang und Tanz wurden von Frauen ausgeführt. Dies führte zu einer Teilung von Musik und Tanz, von Komposition und körperlicher Aufführung, von Gedanke und Gefühl. Auf der Basis von kritischer Betrachtung und zeitgenössischem Tanz hinterfragt Private Song die soziale und kollektive Konstruktion von Gefühlen und geschlechterspezifischem Verhalten, von den Normen des Rembetiko bis hin zur aktuellen Massenkultur.

Alexandra Bachzetsis ist eine Grenzgängerin zwischen der darstellenden und bildenden Kunst, zwischen kritischer Recherche und Tanz, weshalb die Schering Stiftung die Produktion ihrer neuen Arbeit unterstützt. Die Künstlerin, 1974 in der Schweiz als Tochter einer Schweizer Mutter und eines griechischen Vaters geboren, erklärt nicht Herkunft und Identität, sondern Entwurzelung zu einem politischen und ästhetischen Schauplatz. Sie konfrontiert uns mit der Frage, wie die erotische, affektive und mikropolitische Macht der Geste zurückerobert werden kann.*

Alexandra Bachzetsis: Private Song

10. bis 13. Juli 2017, jeweils 22-23 Uhr
documenta 14

Henschel-Hallen
Wolfhager Straße 109
34127 Kassel

8. April 2017, 20:30 Uhr
Stadttheater Piräus, Athen

Weitere Aufführungen in Berlin werden noch bekannt gegeben.

(*) Der Text zitiert einige Passagen aus einem Text von Paul B. Preciado über Alexandra Bachzetsis. Dieser erscheint im documenta 14: Daybook.

Abb.: Alexandra Bachzetsis: "Private Song", Fotos Nikolas Giakoumakis

Alexandra Bachzetsis, Private Song, Foto Nikolas Giakoumakis

Stiftung

Die unabhängige und gemeinnützige Schering Stiftung wurde 2002 durch die Schering AG, Berlin, gegründet und dient der Förderung von Wissenschaft und Kultur ...  

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